Gut gelaunt stand sie auf, schüttelte ihm die Hand und ließ ihn wissen, dass sie ihn schon als kleinen Jungen gekannt habe. Sie habe ihn immer gesehen, als er im Friseursalon seiner Mutter herumgetollt sei.

Hat man mit 100 Jahren noch große Wünsche?

Beim gemeinsamen Kaffee mit dem Bürgermeister konnte Trude gar nicht aufhören, zu erzählen. „Wir haben so viel erlebt und da bin ich so dankbar für. Da sind so viele Erinnerungen. Die kommen immer hoch und dann müssen die einfach raus. Da brauch` ich nur den Mund aufzumachen.“ Ob sie mit 100 Jahren noch große Wünsche hat? „Ich sage jeden Morgen und jeden Abend ‚Danke‘!“, lautete ihre Antwort. „Ich möchte gerne noch ein bisschen leben, so ist es nicht, aber das Leben fällt mir schon ein bisschen schwerer. Aber so lange ich so liebe Menschen um mich habe, geht’s.“ Die lieben Menschen, das sind unter anderem ihre vier Kinder, zwei Enkel und zwei Urenkel. Auch mehrere Pflegekinder hätten im Laufe ihres Lebens bei ihr gelebt. 

Familienfreizeiten bis nach Finnland

Ihre große Familie sei auch der Grund gewesen, wieso sie viele Jahre lang bei Familienfreizeiten vom CVJM mitgereist sei und dort Kinder begleitet und für bis zu 80 Menschen gekocht hat. „Du hast doch eine große Familie und kannst gut kochen“, habe man ihr gesagt „Nimm das, was du kochst mal drei, dann passt das doch!“ Mit den Freizeiten sei sie dann auch gut rumgekommen: „Mein Wunschtraum war immer, Island, die Donau und den Schwarzwald zu besuchen.“ Die Donau und den Schwarzwald habe sie dann schnell abhaken können, nur Island habe gedauert. Diesen Traum hätten ihre Kinder aber vor ein paar Jahren dann endlich erfüllt - auch wenn sie vorher noch große Angst vorm Fliegen gehabt habe. Auf ihrem Balkon habe sie gesessen und die Kondensstreifen der Flugzeuge beobachtet und noch bei sich gedacht ‚Da kriegt mich keiner rein!‘ – „Vierzehn Tage später saß ich drin!“ 

Bürgermeister Rajko Kravanja zusammen mit Trude an ihrem 100. Geburtstag

Aktiv bis ins hohe Alter

Auch heute ist Trude noch aktiv und geht gerne aus, wie zum Beispiel zur Vorstellung ihres Schwiegerenkels, der in der Stadthalle als Heinz Erhardt auftritt: „Was haben wir gelacht und einen Spaß gehabt!“ Und für ihren 100. Geburtstag, erzählt Trude, sei eine große Feier geplant, mit knapp 40 Gästen. Nicht nur mit der Familie habe sie feiern wollen, sondern auch mit Freunden und Bekannten: „Ich habe so viele liebe Menschen, die ich eingeladen habe.“ „Sie schafft sich auch immer wieder neue Kontakte“, ergänzte ihre Tochter. Zum Bürgermeister entgegnete Trude daraufhin: „Sie brauchen aber nicht nachzukommen!“ Ihre Freunde und Verwandten kommen teils von weit her, um mit Trude zu feiern. Mit ihnen, die sie am seltensten sieht, möchte sie an diesem Tag an einem Tisch sitzen. Am liebsten mit dem Rücken zur Wand, damit sie alle im Blick hat. 

"Mit 100 Jahren darf auch mal was zwicken"

„Ich freu` mich so, dass alles geklappt hat und dass Sie jetzt hier sind!“, sagte Trude zu Bürgermeister Rajko Kravanja. Dieser gratulierte Trude herzlich zum 100. Geburtstag und freute sich seinerseits, wie energiegeladen die 100-Jährige noch sei. „Herr Bürgermeister, wenn ich so am Tisch sitze, da geht es mir gut“, sagte Trude „aber lassen Sie mich mal am Rollator rumlaufen!“ Kravanja entgegnete, dass mit 100 Jahren auch mal was zwicken dürfe, das sei auch bei ihm mit 47 schon so. Trude lachte: „Mit 47 dürfen Sie noch gar nicht mitreden!“