Das Nahmobilitätskonzept auf einen Blick
Der Begriff „Nahmobilität“ bezeichnet die Art und Weise, wie Menschen sich in ihrem direkten Umfeld fortbewegen. Umfasst werden prinzipiell alle Arten der Fortbewegung auf kurzen Strecken, wie zum Beispiel zu Fuß gehen und Radfahren oder auch die Nutzung von Skateboards oder E-Scootern. Die Vorteile der Nahmobilität für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt liegen auf der Hand: es entstehen lebendige, urbane Orte. Die Reduzierung der Autonutzung erhöht die Lebensqualität im Quartier und schafft ein gesünderes – da weniger schadstoff- und lärmbelastetes – Wohnumfeld für die Bevölkerung. Wer mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt, bewegt sich und profitiert so gleichzeitig von den gesundheitlichen Effekten. Maßnahmen zur Nahmobilitätsförderung kommen vor allem Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen und Personen mit doppelter Arbeitsbeteiligung (berufstätige Mütter und Väter) sowie allen Personen ohne eigenen Pkw zugute.
Früher wurde bei der Entwicklung der Städte das Ziel der Schaffung einer autogerechten Stadt verfolgt. Die Idee dahinter war, den zunehmenden Verkehr und die wachsende Anzahl von Autos in städtischen Gebieten zu bewältigen. Allerdings hat die Umsetzung dieser Prinzipien auch zu negativen Auswirkungen geführt: Neben der Zerschneidung von Stadtvierteln durch breite Straßen wurde dem Rad- und Fußverkehr bei der Zuteilung des wertvollen öffentlichen Raums meist nur unzureichend Beachtung geschenkt. Die Folge sind schmale Fußwege, lange Laufwege und ein lückenhaftes, teilweise unkomfortables Radwegenetz, welche einer Entwicklung hin zu mehr Nahmobilität im Wege stehen.
Um eine Förderung der Nahmobilität zu erreichen, setzt die Stadt Castrop-Rauxel auf ein Bündel an Maßnahmen, um insbesondere das Radfahren und das Zufußgehen in der Stadt attraktiv zu machen. Diese sind in unserem Nahmobilitätskonzept zusammengefasst worden. Das Nahmobilitätskonzept wurde im Jahr 2021 als strategische Handlungsgrundlage vom Rat der Stadt beschlossen. Dies bedeutet, dass das Konzept als Leitfaden dient, an dem sich zukünftige Maßnahmen und Entscheidungen im Bereich der Mobilitätsplanung orientieren. Hiermit geht die Stadt die Optimierung der öffentlichen Infrastruktur für die Nahmobilität proaktiv und strukturiert an.
Für die insgesamt ca. 850 Rad- und Fußverkehrsmaßnahmen gibt der Umsetzungsplan den zeitlichen Rahmen vor. Da jedoch nicht alle Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden können und die Stadt Castrop-Rauxel möglichst schnell Fortschritte erzielen möchte, wurde zusätzlich ein Umsetzungskonzept zum Nahmobilitätskonzept entwickelt. Anhand von Parametern, z.B. wie aufwendig eine Maßnahme ist oder wie kostenintensiv und ob die Stadt selbst, der Kreis oder Straßen.NRW für die Straße verantwortlich sind, wurden die Projekte kategorisiert. Beispielsweise sind die Einrichtung einer Fahrradstraße oder die Erneuerung von Markierungen auf bestehenden Straßen schneller abgeschlossen, als der Neubau eines Radwegs an einer Straße, wo es bislang keinen Radweg und die Fahrbahnbreite nicht ausreicht. Außerdem sollen die Rad- und Fußverkehrsmaßnahmen an bestimmten Orten, beispielsweise Schulen und Seniorenheimen, an unfallträchtigen Abschnitten, aber auch an Streckenabschnitten mit hoher Netzbedeutung, schneller erfolgen.
Unter Berücksichtigung dieser verschiedenen Parameter wurden so alle im Nahmobilitätskonzept beschriebenen Maßnahmen mit den zeitlichen Kategorien ‚kurzfristig‘ (< 3 Jahre), ‚mittelfristig‘ (3-10 Jahre) und ‚langfristig‘ (>10 Jahre) versehen. Jeder Bürger und jede Bürgerin kann so einsehen, welche Maßnahmenvorschläge für den eigenen Stadtteil erarbeitet wurden. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass es aufgrund verschiedener Ereignisse zu Abweichungen kommen kann. Der Stadtrat hat außerdem beschlossen, dass bei sehr umfangreiche Maßnahmen auch Alternativen geprüft werden und eine Beteiligung der anliegenden Bürger*innen durchgeführt wird – so können schlussendlich alle Betroffenen an dem Prozess partizipieren.
Beispielhafte Auflistung der Maßnahmen:
- Erste Fahrradstraße am Ringelrodtweg / Wewelingstraße
- Beseitigung Hindernisse und Sperrpfosten auf Radwegen
- Breite Radwege am Altstadtring (in Umsetzung)
- Mitgliedschaft in der AGFS und Auszeichnung als Fahrrad- und fußgängerfreundliche Stadt in NRW
- 140 Fahrradbügelprogramm (sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder)
- Markierungsarbeiten westlicher Teil Oststraße
- Lückenschluss der Grünen Acht/ Lothringentrasse (derzeit im Planungsprozess)
- Fahrradstraße Pöppinghuaser Straße (Stich bis zur Emscher)
- Durchführung der Fußverkehrschecks des Landes in Henrichenburg und auf Schwerin